Clos Manou

Alles, nur nicht gewöhnlich.
26.10.2026

Bordeaux, das sind Schlösser, Alleen und jahrhundertealte Geschichte. Und dann gibt es Clos Manou. Kein Château, kein Adelstitel, keine Allee. Dafür einer der aufregendsten Weine, die wir kennen.

Angefangen hat alles mit einer Leidenschaft. Stéphane Dief wuchs im winzigen Dorf Saint Christoly im nördlichen Médoc auf, seine Frau Françoise keine 15 Kilometer entfernt. Über seine Schwager, die bei Mouton Rothschild und Rauzan Ségla arbeiteten, kam Stéphane zu grossen Weinen und ersteigerte alte Jahrgänge. Irgendwann stand fest: Das wollen wir selbst versuchen. Ohne Reben, ohne Keller, ohne Geld. Die beiden verwandelten ihre Garage in einen provisorischen Weinkeller und kelterten 1998 ihren ersten Wein. Aus 12 Aren entstanden 600 Flaschen. «Clos», weil «Château» zu gross klang. «Manou», weil das Stéphanes Spitzname ist. Schon 2000 kündigten beide ihre Jobs.

Den Durchbruch brachte 2003: Robert Parker vergab 93 Punkte und stellte den kleinen Médoc über viele grosse Namen des Jahrgangs. Plötzlich wollte alle Welt Clos Manou. Stéphane nahm sich danach elf Jahre lang keinen einzigen freien Tag.

Heute bewirtschaften die Diefs 18,5 Hektar, verteilt auf erstaunliche 55 Mikroparzellen, alle im Umkreis von drei Kilometern. Kies über Lehm, Kalk und Lehm sowie Sand. Stéphane nennt sie seine drei Kinder: eines naturbegabt, zwei brauchen etwas mehr Zuwendung, keines ist weniger wert. Die Reben sind im Schnitt 45 Jahre alt. Gepflanzt wird extrem dicht, rund 10 000 Stöcke pro Hektar, und nachgesetzt wird per Massenselektion. Herbizide und Insektizide sind tabu, Kupfer wird bewusst sparsam eingesetzt, um das Bodenleben zu schützen. Und dann ist da diese eine Parzelle aus dem Jahr 1850. Dank Sandboden überlebte sie die Reblaus. In besonderen Jahren wird daraus die «Cuvée 1850».

Im Keller gibt es keine Routine, nur Beobachtung. Jede Parzelle wird separat vinifiziert, in Eiche, Beton und Amphore. Sogar das Entrappen geschieht teilweise von Hand. Inspiriert von Les Carmes Haut Brion experimentiert Stéphane mit ganzen Trauben für mehr Spannung. Er selbst sagt, sie seien echte Winzer, wie man sie im Burgund findet. Ein bisschen unorthodox, aber Bordelais durch und durch.